In diesem Artikel
Grundlagen der Schenkungsteuer
Die Schenkungsteuer ist eine Abgabe, die auf den Wert von Vermögenswerten erhoben wird, die zu Lebzeiten von einer Person an eine andere übertragen werden. Dies betrifft nicht nur Geldbeträge, sondern auch andere Vermögenswerte wie Immobilien, Wertpapiere, Kunstwerke und sogar Beteiligungen an Unternehmen. In Deutschland ist die Schenkungsteuer, ähnlich wie die Erbschaftsteuer, in verschiedene Steuerklassen unterteilt. Jede dieser Klassen hat spezifische Freibeträge, das heißt, Beträge, bis zu denen geschenkt werden kann, ohne dass Steuern anfallen. Übersteigt der Wert der Schenkung diesen Freibetrag, wird die Schenkungsteuer fällig.
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Schenkungsteuer bei Geschwistern: Steuerklasse und Freibeträge
Wenn Geschwister eine Schenkung erhalten, fallen sie in Deutschland in die Schenkungsteuerklasse II. Diese Klasse gilt jedoch nicht ausschließlich für Geschwister, sondern auch für andere Verwandte. Ein zentrales Merkmal dieser Steuerklasse ist der Freibetrag, der laut § 16 ErbStG (Stand 2024) für Geschwister bei 20.000 Euro liegt. Das bedeutet, dass Geschwister bis zu diesem Betrag steuerfrei geschenkt bekommen können. Alles, was diesen Betrag übersteigt, wird nach den festgelegten Steuersätzen der Steuerklasse II besteuert.
Die Steuersätze in dieser Klasse sind progressiv gestaltet. Für Geschwister beginnt der Steuersatz bei 15% für Schenkungen, die den Freibetrag nur geringfügig übersteigen. Bei besonders hohen Schenkungen kann der Steuersatz jedoch bis zu 43% betragen. Überschreitet der steuerpflichtige Erwerb eine Wertgrenze nur knapp, greift der Härteausgleich nach § 19 Abs. 3 ErbStG – eine Abmilderung des Stufensprungs. Die Mehrsteuer gegenüber der vorhergehenden Wertstufe wird dann nur insoweit erhoben, wie sie bei einem Steuersatz bis 30% aus der Hälfte und bei einem Steuersatz über 30% aus drei Vierteln des die Wertgrenze übersteigenden Betrags gedeckt werden kann.
| Wert der Schenkung (nach Abzug der Freibeträge) | Steuerklasse II |
|---|---|
| bis 75.000,– EUR | 15% |
| bis 300.000,– EUR | 20% |
| bis 600.000,– EUR | 25% |
| bis 6.000.000,– EUR | 30% |
| bis 13.000.000,– EUR | 35% |
| bis 26.000.000,– EUR | 40% |
| ab 26.000.000,– EUR | 43% |
Praxisbeispiel: Schenkungsteuerberechnung für Geschwister
Um die Schenkungsteuer und ihre Auswirkungen auf Geschwister besser zu veranschaulichen, nehmen wir das Beispiel von Anna und ihrem Bruder Lukas. Anna erhält von Lukas eine Schenkung in Höhe von 150.000 Euro. Wie wird nun die Schenkungsteuer für Anna berechnet?
Zunächst zieht Anna den Freibetrag von 20.000 Euro ab, der ihr als Schwester zusteht. Dies reduziert die steuerpflichtige Schenkung auf 130.000 Euro. Der nächste Schritt ist die Anwendung des Steuersatzes: Anders als bei der Einkommensteuer wird dabei nicht in Teilbeträgen gerechnet. Es gilt ein Vollmengentarif, das heißt, der Prozentsatz der erreichten Wertstufe erfasst den gesamten steuerpflichtigen Erwerb. 130.000 Euro fallen in Steuerklasse II in die Stufe bis 300.000 Euro, also greifen 20%. Da der steuerpflichtige Erwerb mit 130.000 Euro deutlich über der vorhergehenden Wertgrenze von 75.000 Euro liegt, wirkt sich der Härteausgleich hier nicht aus.
150.000 € − 20.000 € Freibetrag = 130.000 € steuerpflichtiger Erwerb
130.000 € × 20% = 26.000 € Schenkungsteuer
Tipps zur Steueroptimierung für Geschwister
Die Schenkungsteuer kann, insbesondere in der Steuerklasse II, bei Geschwistern zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Doch es gibt Ansätze, um die Steuerlast zu minimieren. Regelmäßige Schenkungen, alle 10 Jahre, können die Steuerlast erheblich senken. Anstatt auf eine einmalige große Schenkung zu setzen, können Geschwister von ihren Angehörigen regelmäßig kleinere Beträge geschenkt bekommen, die den Freibetrag nicht überschreiten. Durch geschickte zeitliche Planung von Schenkungen können so Steuern gespart werden.
Leitplanken der Gestaltung
Schenkungen sind dem Finanzamt grundsätzlich binnen drei Monaten anzuzeigen (§ 30 ErbStG); die Anzeigepflicht trifft Schenker und Beschenkten, bei notarieller Beurkundung übernimmt der Notar die Meldung. Die zeitliche Staffelung bleibt zulässig, solange die einzelnen Übertragungen wirtschaftlich eigenständig sind. Wird ein Betrag dagegen nur über eine Zwischenperson weitergereicht, die zur Weitergabe verpflichtet ist, greift § 42 AO: Das Finanzamt besteuert den Vorgang so, wie er ohne die Zwischenschaltung angefallen wäre. Zeitlicher Abstand und fehlende Weitergabepflicht sind deshalb die Grenze zwischen Gestaltung und Missbrauch.
Ein weiterer Hebel ist der Nießbrauchsvorbehalt: Behält sich der Schenker das Nutzungsrecht an einer Immobilie vor, mindert dessen Kapitalwert — der kapitalisierte Geldwert der Nutzung — den steuerpflichtigen Erwerb. Zu beachten ist, dass die Frist des § 2325 Abs. 3 BGB, nach der Schenkungen für die Pflichtteilsergänzung jährlich abschmelzen, bei einem vorbehaltenen Nießbrauch nach herrschender Auffassung erst mit dem Wegfall des Nutzungsrechts zu laufen beginnt.
Mehrere Schenkungen desselben Schenkers innerhalb von zehn Jahren werden nach § 14 ErbStG zusammengerechnet. Diese Zusammenrechnung nimmt der Schnellrechner nicht automatisch vor: Er bewertet stets einen einzelnen Erwerb. Bei Vorschenkungen aus den letzten zehn Jahren sind die Beträge vor der Eingabe zu addieren, sonst fällt das Ergebnis zu niedrig aus.
Schenkungssteuer Geschwister berechnen: Meine weiteren Artikel
Fazit zu den Besonderheiten der Schenkungsteuer unter Geschwistern
Geschwister stehen bei der Schenkungsteuer vor besonderen Herausforderungen. Die Steuerklasse II, in die sie fallen, hat im Vergleich zu anderen Steuerklassen oft höhere Steuersätze und geringere Freibeträge. Doch der Freibetrag von 20.000 Euro steht im Verhältnis zu jedem Schenker gesondert zu und lässt sich nach Ablauf von zehn Jahren erneut ausschöpfen.
Was Leser zu diesem Thema fragen
Wie kann ich die Schenkungssteuer für Geschwister berechnen?
Gibt es Möglichkeiten, die Schenkungssteuer zu optimieren?
Was passiert, wenn die Schenkung den Freibetrag übersteigt?
Können Geschwister auch in anderen Steuerklassen fallen?
Wie oft kann ich Schenkungen steuerfrei erhalten?
Aus der Praxis von Lesern
Worauf dieser Beitrag beruht
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